Wie Sie Ihren Dozenten bzw. Ihre Dozentin ansprechen sollten

Warum diese Seite? Mir ist in Gesprächen mit Studierenden in Deutschland aufgefallen, dass viele nicht mehr zu wissen scheinen, was in der Zeit meines Studiums in den 90er Jahren noch selbstverständlich war. Vieles im System hat sich geändert, die Hierarchien und Arten von akademischen Abschlüssen und damit die üblichen Ansprachen aber nicht. Ich dachte, diese Aufstellung könnte hilfreich sein, damit Studierende das deutsche System etwas besser verstehen, u.a. deshalb, weil man sich ja nicht blamieren oder - das andere Extrem - unnötiger Weise als "Kriecher" erscheinen will. Notabene gilt das Gesagte unten nur für Deutschland (und nur cum grano salis für Österreich oder die Schweiz).

 

Bevor Sie Ihren Dozenten bzw. Ihre Dozentin ansprechen, sollten Sie herausfinden, welchen Titel er/sie hat.

Hat er/sie den Titel "M.A.", ist keine akademische Ansprache nötig. Ansprache: Frau Schmidt.

Hat er/sie den Titel "Dr.", ist die korrekte Ansprache: Herr Dr. Schmidt (es sei denn, er sagt explizit, dass Sie den Titel weglassen können). (Der Titel "Dx." steht für Doctrix und ist die weibliche Form des lateinisch maskulinen Doctor. Diese Bezeichnung hat sich aber [noch?] nicht durchgesetzt.)

Hat er/sie den Titel "Prof." (oder Prof. Dr.), ist die korrekte Ansprache: Frau Prof. Schmidt (es sei denn, sie sagt explizit, dass Sie den Titel weglassen können). Der Titel muss nicht ausgeschrieben werden. Wenn Sie das jedoch tun, sollten Sie eine weibliche Person mit "Frau Professorin" ansprechen (schriftlich).

Es gibt verschiedene Formen der Professur, etwa "Apl. Prof." (außerplanmäßige Professur) oder "W2" bzw. "W3" (bezieht sich auf die Gehaltsstufe). Diese Unterschiede sollten bei der Ansprache keinen Unterschied machen. Viele Professoren in Deutschland werden auf die Ansprache mit Titel heutzutage nicht mehr wert legen. Tun Sie es dennoch beim ersten Mal.

Hat er/sie den Titel "PD" (Privatdozent), ist die korrekte Ansprache "Herr Dr. Schmidt (es sei denn, er sagt explizit, dass Sie den Titel weglassen können).

Oben sticht unten: Was Sie NICHT tun sollten, ist die Nennung aller Titel. Vielmehr ist es angemessen, den höchsten zu verwenden. Also nicht "Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Schmidt, M.A.", sondern "Sehr geehrte Frau Prof. Schmidt." Sie tun dies vermutlich aus Gründen der Ehrerbietung, aber es ziemt sich nicht. Die Reihenfolge: Prof., Dr.

Ansprache via Email: "Sehr geehrter Herr Prof. Schmidt" oder "Liebe Frau Dr. Schmidt," nicht jedoch "Hallo Herr Schmidt" oder "Ich grüße Sie, Frau Schmidt." Bleiben Sie formal und höflich, zumindest bei der ersten Ansprache.

Kommen Sie direkt zur Sache ohne Umschweife. Also nicht, "Ich hoffe, Sie genießen diesen wunderschönen Tag." Versuchen Sie, den ersten Satz nicht mit dem Wort "ich" anzufangen.

Machen Sie eindeutig klar, was Sie von Ihrem Dozenten wollen. Rat? Aufschub? Hilfe? Stellen Sie sicher, dass Sie die Frage evtl. selbst beantworten können durch den Syllabus des Kurses, den Sie bei ihm/ihr nehmen, oder durch Ankündigung in der Veranstaltung.

Verfassen Sie Ihre Emails stilistisch und grammatikalisch korrekt. Eine flüchtig verfasste oder sprachlich fehlerhafte Email wirft ein schlechtes Licht auf Sie.

Beenden Sie Ihre Email z.B. mit "Mit freundlichen Grüßen", nicht mit "Tschüss", oder "Bis bald" etc.

Unterschreiben Sie mit Ihrem vollen Namen bzw. dem Namen, mit dem Sie angesprochen werden möchten (falls Sie z.B. Ihren Mittelnamen verwenden, was durch die Email-Adresse nicht sichtbar ist, oder eine Abkürzung).

Schließlich noch zu kulturellen Differenzen, etwa Deutschland - USA/Kanada. In Nordamerika ist der "Dr."-Titel höher als der "Prof." Die oft beschrieben "Lockerheit" der meisten US-Akademiker soll allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in USA auch Codes und Hierarchien gibt. Sehen Sie hierzu die englische Version dieser Seite.